Der neue Zaun
Obgleich es bezüglich der Unterbringung unserer Känguruhs nie ein Problem gab und diese in einer schönen umzäunten, naturbelassenen Landschaft mit Wildwiesen und Bach leben, wo sie genügend Futter und viel Bewegungsfreiheit haben, war uns stets bewußt, daß wir an die Zukunft denken müssen.


Von Jahr zu Jahr erhöht sich die Zahl der zum Roo Gully gebrachten verwaisten, verletzten und
kranken Jungtiere, Joeys genannt. Viele von ihnen können nicht mehr in die freie Natur zurück
und brauchen deshalb ein neues Zuhause.

Ihre Lebensqualität liegt uns sehr am Herzen, und wir bemühen uns,
ihren Lebensraum ständig zu verbessern.

Zu unserem Roo Gully-Traum gehört die Einzäunung unseres 160.000 (38 acres) qm großen Anwesens.
Wir beschlossen, diese Einzäunung in Abschnitten zu realisieren.
Der erste Abschnitt wurde vor zwei Jahren fertiggestellt.
Wir danken den Freiwilligen, die uns bei diesem Projekt geholfen haben.

Abschnitt zwei wurde sorgfältig geplant.
Wieder sollten ein Stück Wildwiese und natürliches Buschland dazukommen.

Als wir so langsam unser Ziel erreichten und das Spendengeld in unser Roo Gully Bankkonto
eingezahlt wurde, hat Roy dann den Draht für den Zaun und die Pfosten bestellt und sein Team
von freiwilligen Helfern organisiert.
Der Tag traf endlich ein - unser Spendenaufruf erreichte $A 3550.-

Am denkwürdigen 6. Dezember veranstalteten wir ein Komitee-Treffen zur Unterzeichnung der Schecks.
Die Arbeit konnte beginnen. Ein Komitee-Mitglied der Roo Gully Wildlife Sanctuary Incorporated
hat jedoch durchaus mehr zu tun, als etwa nur zu Treffen zu erscheinen.


Jeder spielt seine ganz bestimmte Rolle in unserem Roo Gully-Traum:

Mike ist unser Computer- Experte. Er arbeitet hart, um alle Büromaschinen in Ordnung zu halten.
Als Farmerssohn stellte er uns überdies freundlicherweise
seine Erfahrungen im Zaunbau und seinen schlauen Pfostenloch-Ausheber zur Verfügung,
der uns die Arbeit sehr erleichterte.


Dann hielt ein mit Pfosten beladener Lastwagen vor dem Tor.
Und bald steckten diese Pfosten in den Löchern.
Als nächstes mußten die Fluchtgatter für den neuen Zaun fertiggestellt werden.

Wir können es nicht riskieren, daß die Känguruhs im Falle eines Feuers oder einer
Überschwemmung durch den Zaun gefangen sind. Deswegen waren mehrere Fluchtgatter notwendig,
die bei Gefahr für die Tiere geöffnet werden können.

Aus Erfahrung wissen wir, daß solche freigelassenen Tiere bald zurückkehren.
Aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würden wir nie zögern, sie bei Gefahr laufenzulassen.

Wir danken Tom Oversby, einem lokalen Farmer, Ratsmitglied
und Joey-Pfleger, der uns seine Zeit und seine Schmiedekenntnisse
zur Verfügung stellte und mehrere Paare von Fluchtgattern herstellte.

Shane, ein ortsansässiger Freiwilliger, half Roy dabei, die Gatter zu
positionieren und die Pfosten mit Zaundraht zu verbinden. Über drei
Kilometer Draht wurden von unserem Team benötigt, um die Pfosten miteinander an vier Stellen zu verbinden, bevor der Maschendraht daran befestigt werden konnte.

. Es war eine Riesige Aufgabe, wie die Blasen und Druckstellen an den Händen der Arbeiter zeigten.
Nun kamen die vielen Rollen des zwei Meter hohen eigentlichen Maschendrahtes von Perth,
freundlicherweise durch unsere Nachbarn, Mead Transport,
angeliefert. Obwohl die Temperaturen stiegen, arbeitete das Zaun-Team hart.
Jeden Morgen wurde sehr früh begonnen, noch bevor die Sonne Zeit hatte,
alles mit ihrer schrecklichen Hitze unten auf der Erde zu überziehen.
Allmorgendlich wurde der kleine Traktor-Anhänger mit Werkzeugen, einem benzin-angetriebenen Generator und Flaschen mit kaltem Wasser beladen und man machte sich an die Arbeit.
Roy und unser Sohn James erfanden vor einigen Jahren klugerweise einen Maschendrahthalter.
James besuchte uns damal aus England und wurde auch gleich eingespannt, den Zaun für Abschnitt 1 zu erstellen.
Vater und Sohn arbeiteten dann zusammen, um diese sehr effizienten Maschendrahthalter nun zu erstellen,
die sich bis heute als unbezahlbare Hilfe bei der Zaunerrichtung erwiesen haben.

Einer hielt die freilaufende Rolle mit dem Draht und ermöglichte so dessen reibungslose Abwicklung.

Dann gibt es da eine lange an einen Metallstand angeschweißte Stange. Sie ist der eigentliche Halter für die Drahtrolle.

Der Traktor hielt diesen Halter schwebend über dem Boden.
Während des Rückwärtsfahrens an der Zaunlinie entlang entrollte sich der Draht und wurde vom Traktor fest angezogen. Das ermöglichte es dem Team, den Draht an den Pfosten zu befestigen.
Damit war erst einmal ein Teil der Aufgabe erledigt, die Arbeit jedoch noch nicht beendet.
Nun begann die harte Arbeit, die Zaunlinie auf Schwachstellen zu überprüfen und etwaige, durch das unebene Terrain verursachten Vertiefungen unter dem Zaun auszubessern
Das Werk war nahezu vollendet, doch vier zeitraubende und sehr wichtige Jobs waren noch zu erledigen,
bevor wir den Känguruhs die Besichtigung des neuen Gebietes erlauben konnten:
  1. Es waren mehrere von uns entdeckte riesige Ameisenhügel zu beseitigen.
  2. Wir mußten sämtliche Doublegee-Pflanzen ausgraben, die wir nur finden konnten. Es handelt sich dabei um eine besonders bösartige Dornenpflanze - ein schädliches Unkraut in Australien.
  3. Das Team lief mehrmals die ganze Zaunlinie ab, um nach Abfällen und Drahtstücken usw.
    zu schauen.
  4. Und wir mußten tatsächlich Hunderte von Plastik-Supernmarktbeuteln am Zaun befestigen. Warum?
Unsere Forschungen beweisen, daß sich die Western Grey Känguruhs territorial verhalten.
Sie wissen gerne, wo die Grenzen sind. Aber noch wichtiger ist die Tatsache, daß sie nervös sind.
Wie allen Herbivores ist ihnen das Wissen angeboren, Raubtieren zum Opfer fallen zu können.
Angst ist deshalb ein Hauptfaktor in ihrem Leben.
Wir erlebten Känguruhs in einer Panik-Stampede und mußten traurig mit ansehen,
wie unsere geliebte Freckle in einen Zaun rannte und durch Genickbruch tödlich verunglückte.

Es mag zwar nicht schön aussehen, aber wir fanden, daß die Känguruhs ihr neues Zuhause besser erkennen, wenn man in den ersten paar Monaten Plastikbeutel an den Zaun bindet. So machte sich das Team also an die Arbeit. Sandra, eine Freiwillige aus Holland, bekam sehr schnell den Spitznamen "die Beutelfrau vom Roo Gully

Ein paar heiße und sehr anstrengende Tage später standen wir in der hintersten westlichen Ecke
des neuen Bereiches und knipsten diese Fotos.
Wir fühlten uns glücklich und stolz, als wir an alle diejenigen dachten,
die zum einen unsere Spendenaktion unterstützten und zum anderen Schweiß,
Blut und Tränen gaben, um den Zaun zu errichten.

Dieser Bereich ist nun das neue Zuhause der Känguruhs, und unser Dank gilt so vielen Menschen.

Der 21. Dezember sollte d e r Tag sein. Aus früherer Erfahrung wußten wir,
daß man Känguruhs am besten kurz vor dem Dunkelwerden mit einem neuen Bereich bekannt macht.
Es ist uns bekannt, daß sie sich in der Dunkelheit der Nacht sicherer fühlen.
Durch die Entfernung des alten Zaunes am frühen Abend hatten sie genug Zeit,
sich mit ihrer neuen Umgebung vor Sonnen-untergang vertraut zu machen.
Dann konnten sie den gesamten Bereich im Dunkel erkunden.
Zunächst mußte alles entfernt werden,
was den alten Zaun mit den Pfosten verband.

Roy zog also die Halterungen des Hauptdrahtes heraus.
Der alte Draht wurde zur Wiederverwendung fein säuberlich aufgerollt.
Selbstverständlich wurde uns diese Aufgabe von den drei Joeys Abby, Cassie und Buster,
die "helfen" wollten, nicht einfacher gemacht.
Diese drei hätten eigentlich längst in ihren an Zweigen nahe dem Bach hängenden Säcken sicher verstaut sein sollen.
Doch wir lasen an Abbys Gesicht ab, daß sie der Ansicht war, alle sollten helfen.
Und das taten sie!
Trotz dieser "Hilfe" konnte der alte Zaun Gottseidank entfernt werden.
Wir kletterten in unseren Hochsitz und warteten. Es dauerte lange, bis die ersten Känguruhs über den Bach hopsten
und anhielten, um an ihren gewohnten Plätzen, wie erwartet, zu äsen.

Sie brauchten einige Zeit, um zu kapieren, daß der alte Zaun nicht mehr da war,
da die Pfosten noch in der Erde steckten.

Als erste überquerte Heidi mit ihrer Tochter Maple die Linie,
gefolgt von Molly. Drei Känguruhs waren nun im unbekannten Bereich.
Wie erwartet gerieten sie in Panik.

Wir beobachteten, wie Heidi und Maple in die eine Richtung rannten und bald nicht mehr durch
die Bäume zu sehen waren. Molly rannte in die andere Richtung über die Weide
und an der neuen Zaunlinie entlang, die sie dann zum Bach zurückführte.

Um Heidi und Maple sicherer zu machen, brauchten wir mehr Känguruhs in dem neuen Gebiet.
Mit Hilfe von ein paar Rosinenbroten lockten wir also weitere sechs über die unsichtbare Linie. Sadie, unsere Alte, war dabei.

An dieser Stelle möchten wir allen danken, die auf Grund unseres
Spendenaufrufes ein Tier adoptierten oder uns mit Geld unterstützten.
Ihre Spende half, ein Projekt zu finanzieren, das einen großen Stellenwert in unserem Roo Gully-Traum hat.

Da wir uns immer bemühen, das gespendete Geld weise zu verwenden,
listen wir nachfolgend die einzelnen Posten des Projektes auf:

Zaunpfosten: Au$1819.51
Draht f. Hauptzaun und Maschendraht: Au$1925.00
Material f. Sicherheitsgatter, Fixings usw.: Au$360.00
gesamt: Au$4104.51

Spenden als Reaktion auf unsere Website "Zaun-Aufruf":
Adoptionen: Au$1550.00
Spende von Doris in Vic, Australia: Au$2000.00
Als Spenden verschiedener Besucher von Roo Gully vom Komitee zugeteilt: Au$554.51

Nun noch ein Schock:
die Arbeitskosten hätten mehr als Aus.$ 15000.00 betragen.
Deswegen danken wir von ganzem Herzen Zaun-Team die zusammen mit Roy ihre Arbeitskraft
und ihren Schweiß gaben, um den neuen Zaun zu verwirklichen.

In unser aller Namen: Wir danken Euch!